Bürgerinitiative Zukunft Groß-Gerau – Für eine innovative und lebenswerte Stadt

Stadtentwicklungskonzept GG 2020

08.01.2011 | Groß-GerauKritische Würdigung der Ergebnisse des Abschlussbericht der Planungsgesellschaft Kokon aus Bürgersicht.

Autor: Günter W. Hackenschmidt

Generell:

Es handelt sich erstmalig in GG um eine umfassende Analyse mit einem Handlungsrahmen, der langfristig angelegt ist und damit eine Möglichkeit bietet, umfassend und mit vernünftiger Schwerpunktsetzung allgemein anerkannte Ergebnisse zu erzielen. Damit kann beim Bürger eine Akzeptanz erzielt werden, die sich sowohl in seiner zukünftigen Einbringung und Beteiligung als auch in der politischen Mitgestaltung neu artikulieren kann. Wichtig ist dabei, dass gute Ansätze nicht versanden, daß wichtige Projekte nicht dem Rotstift geopfert werden und dass Prioritätensetzung und Gleichbehandlung zwischen der Kernstadt und den Stadtteilen "gelebt" wird. Letzteres ist bei Betrachtung der bereits definierten Handlungsfelder von besonderer Wichtigkeit und die Fairneß der Verwaltung wird genau hieran zu messen sein.

Zur Arbeit Kokon:

Gute Arbeit! Man erkennt die Fachkunde und den Wunsch, umfassend einen Handlungsrahmen zu schaffen und dabei auch untergeordnete Themen und Probleme nicht auszulassen. Letzteres wird erst dann Bedeutung gewinnen, wenn die handelnden Personen an die Realisation von Projekten gehen und dabei auch solche Randthemen wieder aufnehmen und mit bewerten müssen. Es bleibt zu hoffen, dass der auf 210 Seiten dokumentierte hohe Aufwand nicht später in der "Etappe" (Politik/ Verwaltung/ fehlende Bürgerbeteiligung) versandet.

Zu den einzelnen Schwerpunkt-‹berschriften gestatten wir uns folgende Anmerkungen:

1. Weg und Ziel

Die Ergebnisse der Planungswerkstätten sind nett formuliert, jedoch im Anspruch oft so nicht zu realisieren, da die Umwelt und das Umfeld nicht auf den Weckruf aus Groß-Gerau gewartet hat. Ohne hohen generellen Profilanspruch lassen sich jedoch einzelfallbezogen Projekte durchaus realisieren. Dabei geht es weniger um die Außenwirkung von GG als um die Zufriedenheit und Identitätsschaffung für die Einwohner selbst.

2. Die Kreisstadt GG – Lage und Planungen, Geschichte

Keine Anmerkungen.

3. Stärken-Schwächen-Analyse Kreisstadt GG

3.1.1. Stadtbildanalyse
Grundsätzlich einverstanden mit dem Ergebnis. Inhomogenes Stadtbild aus verschiedenen Maßstäben und Stilen, Moderne Architektur wäre hier eher störend. Alternativlos bleibt (wie den meisten Mittelstädten in D) die Pflege der Historie, kombiniert mit modernen stilistischen Elementen. Dies kann optisch und dramaturgisch hoch interessant sein/werden, wie einige vergleichbare Städte in Süddeutschland bewiesen haben. "Leuchttürme moderner Architektur" im Innenstadtbild wären sträflich.

3.1.2. Orientierungspunkte
Die Anmerkungen zu Wick und Wasserturm sind nur zu unterstreichen, zum historischen Kern der Stadt und zur Image-Dimension der Bahnhöfe ebenfalls. Leerstände und verfallene Bausubstanz ohne sichtbare Verwendungsmöglichkeit sollte zügig vermarktet werden, ggf. mit ertragbaren Nutzungs- und Verwendungsvorgaben als Verkaufshilfe.
Anm.: Die Figuren vor dem Hist. Rathaus könnten an anderer Stelle attraktivere Verwendung finden.

3.1.3. Bild der Stadtteile
Keine Anmerkungen, außer: Eine Zentrierung von Maßnahmen in der Kernstadt trägt das Risiko weiterer Verödung in den Stadtteilen. Ein fairer Ausgleich scheint dringend geboten.

3.1.4 -3.1.8. Keine Anmerkungen

3.2. Mobilität und Verkehrsstruktur
Die bekannten Probleme werden beschrieben. Die daraus resultierenden Veränderungen der Einkaufs- und Verkehrsströme weg von der Kernstadt lassen sich mit Retuschen (z.B. andere ÷ffnungszeiten) nicht mehr umkehren. Mutige Maßnahmen, wie sie wohl keine der Parteien für nötig hält, wären notwendig. Auch hierzu gibt es im weiteren Umkreis Muster und Beispiele. Die Siedlungsbeschränkung wegen Flughafen Frankfurt kann als Argument für Attentismus in Bezug auf sinnvolle Erschließungsmaßnahmen (u.a. Südzuckergelände) nicht gelten. Was letztlich geht und die Vernunft gebietet, muß ggf. auch durchgefochten werden.

3.2.6. ÷PNV &ndash Drei Bahnhöfe
Bahnhöfe sind seit jeher Visitenkarten der Stadt. Initiativen kommen regelmäßig aus den Stadtverwaltungen und nicht von der Bahn. Hier gibt es Jahrzehnte alte Versäumnisse (s. auch 3.1.2).

3.2.7. Fahrrad- und Fußwege
Fehlende Problemdurchdringung hat wohl dazu geführt, dass mindestens 80 % aller erforderlichen Wege wohl vorhanden sind, jedoch Nutzerströme und Bewegungsprofile nicht berücksichtigt wurden. Intelligente und verkehrssichere Qürungsmöglichkeiten mit dem Ziel kürzester Distanzen bei akzeptanzfördernder Ganzjahres-Nutzungsmöglichkeit wären relativ kostengünstig zu erstellen und hätten eine hohe Zufriedenheit des Bürgers zur Folge, insbesondere in den Stadtteilen.

3.3. Verwaltung und Infrastruktur
Keine Anmerkungen.

3.4. Wirtschaftsstandort und Arbeitsmarkt
Die Standortfaktoren werden im wesentlichen von der Region gestaltet und weniger von der Stadt selbst (Gleiches gilt für die Wirtschaftsstruktur und die angesiedelten Branchen). Dies ändert nichts an der Tatsache, dass per dato noch günstige demografische Faktoren in GG sich längerfristig nach unten entwickeln dürften, im Einklang mit den regionalen und gesamtdeutschen Faktoren. Für ein stagnierendes Szenario ist in der Studie nicht ausdrücklich vorgesorgt. Die Idee einer Zentrierung und Ansiedelung von Kleingewerbe und Handwerk ist bei Realisierung sicherlich ein langfristig stabilisierender Faktor.
Ohne mfr. weitere Arbeitsplatzbindende Aktivierung von Einheiten multinational tätiger Unternehmen wird dem demografischen Faktor nicht zu begegnen sein. Insofern scheint eine Professionalisierung der Wirtschaftsförderung grundsätzlich sinnvoll, sollte jedoch in Hände gegeben werden, die bereits über entsprechende Kontakte und Erfahrungen mit dieser Art Klientel verfügen und sich als erfolgssicher erwiesen haben. Solche Unternehmen gibt es (sogar mit Kreis- GG Beteiligung) in der Region ausreichend.

Der vorhandene Branchenmix lässt sich wohl nur begrenzt neu oder breiter gestalten, ist aber auch nicht dramatisch monostrukturiert. Die Gewerbeflächenentwicklung ist wohl fair beurteilt und aufgeführt. Stabiliserend wirkt auch die Ansiedelung Steuer- und sozialversicherungspflichtiger Arbeitnehmerhaushalte mit Arbeitsplatz in den Wirtschaftszentren der Region, wie es auch Nachbarstädte in Frankfurts Osten erfolgreich getan haben. Neben attraktivem Wohnraum sind hier die Verkehrsinfrastruktur und schnelle, bequeme Wege (Parkmöglichkeiten) zum Arbeitsplatz ein Schlüssel.
Zu den erwähnten Strukturwandelflächen, desgleichen zu Landwirtschaft und Handwerk keine Anmerkungen. Viel wichtiger erscheint das Thema Einzelhandel und Versorgungsangebot (Punkt 3.4.7.). Auch hier ist mit Optik oder Retuschen wenig zu machen. Die Kaufströme haben sich bereits stabil verschoben.

Kolportiert wird, wie ein interessierter Einzelhandelsprofi in 2007 die damals verkehrsberuhigten Zonen abgegangen ist und ziemlich sicher prognostiziert, wieviel Umsatz dabei pro lfd.Meter beruhigter Straße verloren gehen dürfte – dank Verkehrsführung, Parkplatzdrama, Verteufelung des Autoverkehrs. Daneben hatte er ca. 15 weitere Geschäfte bei einem breiteren Angebots- und Service-Mix für unbedingt erforderlich reklamiert, damit die Zone eine kritische Mindestgröße und laufende Anziehung aufrechterhalten könne. Er selbst hat seine Ansiedelungsidee seinerzeit nicht weiterverfolgt.
Das Thema Fremdenverkehr (Pos.3.4.8) ist eine Zugewinnsparte. Sie sollte im Auge behalten, maßvoll gefördert, jedoch nicht mit sinnlosem finanziellen Kraftaufwand entwickelt werden wollen.

3.5. Bevölkerung
Glücklicherweise gibt es – angabegemäß – noch einen marginalen Netto- Bevölkerungs- Zufluss (ältere Studien hatten dies so nicht mehr prognostiziert). Am Demografischen Faktor kommt GG jedoch nicht vorbei. Der Kulminationspunkt kann bereits während der Laufzeit der o.a. Studie kommen, so dass bereits jetzt eine Anpassung so weit als möglich Platz greifen sollte (s. weiter oben). Dies wird Auswirkungen auch auf die Finanzposition und Zukunftsinvestitionen haben.

3.6 Wohnstandort, Nahversorgungs-Standort, Medizinische Versorgung
Keine Anmerkungen.

3.7. Soziale Infrastruktur
Keine Anmerkungen, zumal in wesentlichen Punkten überwiegend positiv beurteilt. Das Thema Schulwege und Schulwegsicherung wird an anderer Stelle behandelt. Die Themen Generationenhilfe und Seniorenbeirat bieten sicherlich noch organisatorische und konzeptionelle Schwächen, die lösbar sein sollten (Koordinierung von Aktivitäten, Geschäftsordnung und Funktion des Seniorenbeirats als "zahnlosem Tiger" auf Standard-Niveau "D" bringen etc).

3.8. Natur und Landschaft
Der prägende Landschaftsraum Ried und seine Vielfältigkeiten wird zu recht dargestellt und gewürdigt. Die Idee, daneben das Element Wasser herauszustellen, macht in diesem Zusammenhang sowohl Aktuell als auch historisch betrachtet Sinn. Das unausgeschöpfte Nutzungspotential wird thematisiert und findet sich auch in den Handlungsfeldern hervorgehoben wieder. Insbesondere die Schaffung einer gepflegten Grün- und Parklandschaft kann hoch zur allgemeinen Zufriedenheit beitragen. Nachbarstädte haben auch dies bereits bewiesen.

3.9. ÷kologie und Nachhaltigkeit
Thema mehr als ausreichend abgehandelt, daher keine Anmerkungen.

4. Leitbild Groß-Gerau 2020

Der Punkt enthält umfassend alle denkbaren Kriterien für ein umfassendes Städte-Leitbild, quasi aus dem Lehrbuch. Ohne Prioritätssetzung und Fokussierung ergibt sich kein klares Wunsch-Leitbild der Stadt GG. Hier sollte nachgearbeitet werden.

5. Handlungsfelder

8 Handlungsfelder wurden identifiziert mit insgesamt 59 definierten Maßnahmenvorschlägen (s. Anlage). Sie ergeben sich als Resultat und Komprimat der unter Punkt 1 bis 4 aufgeführten Themenbereiche. Die Abarbeitung dieser Handlungsbereiche erfordert zwingend eine thematische und zeitliche sowie kostenbezogene Priorisierung. Dazu bedarf es einer Entscheidungsorganisation unter Einbindung der Verwaltung und aller gewünschten Institutionen, Parteien und Bürgervertretungen. Ferner müssen Entscheidungsfähigkeit und Handlungsfähigkeit der Gremien schlüssig gesichert werden, wie anlässlich der Studienübergabe dargestellte positive Erfahrungen aus Nachbarstädten gezeigt haben. Für die Projektarbeit der größten und wichtigsten Projekte sollte die Kokon - Planungsgesellschaft als professioneller Projektbegleiter und Koordinator fungieren.

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Anmerkung der Redaktion zur vom Autor erwähnten Anlage: Diese betrifft alle Handlungsfelder. Diese finden Sie im Handbuch, das als PDF zur Verfügung steht.